i+m Naturkosmetik Manufaktur Berlin - Mit nachhaltiger Produkt-Verpackung

01.05.2012 00:00

Jörg von Kruse / Geschäftsführer von i+m im Gespräch mit Schroth&Korn (Mai 2012)

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i+m schöpft weitere Nachhaltigkeitspotentiale bei seinen Produkten aus und macht Schluss mit dem Verpackungswahn: Angelehnt an das Cradle-  to-Cradle-Prinzip geht es um ein Wirtschaften [nahezu] ohne Müll.

"Wir brauchen sortenreines Recycling".

Ökologische Verpackungen haben für die i+m Naturkosmetik Manufaktur hohe Priorität:

Nach Jörg von Kruse ist der beste Weg ökologisch zu verpacken derjenige auf unnötige Umverpackung zu verzichten: Das bedeutet Verpackung zu vermeiden, wo immer es geht. Das ist vor allen Dingen auch eine designerische Herausforderung, denn hochwertige Kosmetik soll ja auch edel aussehen. Weiter müssen alle Produktinformationen aufs Etikett, die Deklaration der Inhaltsstoffe sogar zweisprachig. Von Kruse : „Das ist nicht einfach. Aber wir haben es geschafft. Uns interessiert schließlich nicht nur, welche Bio- und Fairtrade-Rohstoffe wir für unsere Kosmetik verwenden können, sondern ebenso, was wir der Umwelt langfristig zurückgeben.“

Und was passiert zum Beispiel mit dem leeren Creme-Spender?

Aus dem Airless-Pumpspender wird bei i+m wieder ein neuer Pumpspender oder ein vergleichbar hochwertiger Gebrauchsartikel. Das Ziel der Produktionsweise "Cradle to Cradle", zu Deutsch: von der Wiege zur Wiege, sind biologische und technische Nährstoffkreisläufe ohne Abfall. Diese funktionieren nur dann perfekt, wenn es sortenreines Recycling gibt. Dann wandern alle Materialien ohne Qualitätsverlust und ohne Müll zurück in den Produktionskreislauf. Im Verpackungsrecycling der dualen Systeme gibt es heute schon gute Wege, die Produkte zu trennen. Sensoren können mittels automatisierter optischer Verfahren verschiedene Materialien unterscheiden.
Die Pumpspender von i+m sind Monoverpackungen aus Polypropylen, kurz PP genannt. PP ist eine dieser Fraktionen, die sich aus einem großen Berg anderer Verpackungen herausziehen lässt. Cradle to Cradle ist keine Zukunftsmusik, sondern im Hinblick auf die Wiederverwertbarkeit der Monoverpackungen von i+m bereits Gegenwart. Das Ergebnis sind im idealfall biologische und technische Nährstoffkreisläufe ohne Abfall.

Von einem sortenreinen Recycling ganz ohne Abfall ist die Wirtschaft meilenweit entfernt ...

Von Kruse: „Das A und O beim Recycling ist Sortenreinheit, damit man die Materialien wirklich gut auseinanderkriegt. Entweder man schafft es, alles aus einem Material zu machen, oder – wo das technisch nicht möglich ist – muss man die Produkte so konzipieren, dass sie ganz schnell zerlegbar sind in ihre einzelnen Rohstoffe.“

„Bisher arbeitet die Wirtschaft "von der Wiege zur Bahre", mit der Folge, dass wir im Müll ersticken. Wir laufen zwangsläufig auf einen Müllkollaps zu. Mal ganz abgesehen von der unglaublichen Verschwendung, die wir damit betreiben. Denn die Rohstoffe gehen dabei endgültig verloren. Was man heute unter Recycling versteht, ist in fast allen Fällen ein Downcycling, das heißt, die Qualität wird immer schlechter. Es gibt nur zwei, drei Kreisläufe und jeder verschlechtert die Qualität, weil man keine Sortenreinheit hat.“

Der I+M-Airless-Spender ist aus einem einzigen Material. War das schwierig zu realisieren?

Von Kruse: „Wir haben lange gesucht, bis wir diesen Spender gefunden haben. Airless-Spender sind relativ komplexe Verpackungen, die mit einem Vakuumsystem arbeiten: Das Vakuum zieht einen Stempel hoch, es braucht eine Feder, Dichtungen ... Unser Spender ist komplett aus Polypropylen, sogar die Feder, die ja normalerweise aus Metall ist. Polypropylen lässt sich extrem gut recyceln und mit relativ wenig Energie herstellen. Deshalb erzielt es eine der besten Öko-Bilanzen aller Verpackungsmaterialien.“

Was ist für die Hersteller so schwer daran, sortenreine Verpackungen auf den Markt zu bringen?

Von Kruse: „Die Frage ist, wie die Hersteller verschiedene Materialeigenschaften erreichen. Die Feder zum Beispiel unseres Airless-Spenders muss weicher sein als der Kopf, sonst funktioniert das Vakuumsystem nicht. Die meisten Hersteller verwenden in solchen Fällen unterschiedliche Materialien. Bei Monoverpackungen werden ein und demselben Grundstoff Hilfsstoffe, Additive oder Farbstoffe zugesetzt, um diese unterschiedlichen Eigenschaften zu erzielen. Die Industrie verarbeitet unglaublich viele Rohstoffe. Unsere Aufgabe ist es, bei unserer Verpackung ganz genau hinzuschauen, um Schlechtes zu eliminieren. Wir fragen etwa, woraus genau unsere Etiketten bestehen und der Klebstoff, der darunter sitzt. Mit was für Farben sie bedruckt sind. Solch eine exakte Klassifizierung ist nicht einfach. Denn, wenn wir wissen wollen, was in den Grundstoffen genau drin ist, befinden wir uns in einer Problemzone.“

Die genaue Klassifizierung ihrer verwendeten Materialien sollte den Herstellern doch bekannt sein.

Von Kruse: „Wenn man anfängt nachzufragen, hat man es sehr schnell mit großen internationalen Konzernen zu tun. Unser Verpackungshersteller kauft Polypropylen etwa von einem der vier Konzerne weltweit, die das produzieren – so konzentriert ist da der Markt – und der sitzt in Saudi-Arabien. Diesen weltweit zweit- oder drittgrößten Chemieproduzenten gilt es nun vom Cradle-to-Cradle-Konzept zu überzeugen, denn er soll ja seine Rezepturen transparent machen. Dazu muss er verstehen, dass das kommen wird, dass es für ihn in jedem Fall Thema wird, dass er sich da profilieren kann, wenn er jetzt einsteigt.“

Klingt nach einem harten Stück Überzeugungsarbeit. Hat Ihr Chemie-Riese seine Rezeptur denn tatsächlich offenlegt?

Von Kruse: „Ja und Nein. Die lassen sich da ungerne reingucken. Schließlich gibt ein Hersteller ja sein Know-how preis, wenn er detailliert seine Zusammensetzung offenlegen soll. Das sind Betriebsgeheimnisse, die gar nicht nach außen dringen sollen. Das läuft über Vertrauen und Geheimhaltungsversprechen. An dieser Stelle hat uns die EPEA Internationale Umweltforschung GmbH, das vom Erfinder des Cradle-to-Cradle-Konzepts Professor Dr. Michael Braungart ins Leben gerufene Institut, sehr geholfen. EPEA berät uns auf unserem Weg zur perfekten Cradle-to-Cradle-Verpackung.“

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